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Neue Studie: Akne inversa stark unterdiagnostiziert

Neue Epidemiologische Studie zu Acne inversa / Hidradenitis suppurativa

Kollegen aus Hamburg, die ich im Rahmen der EHSF in Warschau kennenlernen durfte, haben eine wissenschaftliche Studie zur Prävalenz, Häufigkeit und fallbezogenem Auftreten von Acne inversa / Hidradenitis suppurativa untersucht.

Die Datengrundlage der Beobachtungsstudie zur Prävalenz von Acne inversa / Hidradenitis suppurativa erhielten die Forscher aus drei Registern:

  • Statistisches Bundesamt
  • DAK-Gesundheitskasse
  • BARMER Ersatzkasse

Es zeigte sich folgendes Bild:

Laut Statistischem Bundesamt kam es zwischen 2010 und 2015 zu einem signifikanten Anstieg der Krankenhausaufenthalte aufgrund des Diagnoseschlüssels L73 (sonstige Krankheiten der Haarfollikel) von 4.800 auf 6.200 Fälle. Um von dieser allgemeinen Diagnose auf die spezifische Diagnose L73.2 (Acne inversa/ Hidradenitis suppurativa) zu kommen, erfolgte ein Abgleich mit den Daten von zwei gesetzlichen Krankenversicherungen:

Von ca. 2,3 Millionen Versicherten der DAK waren 2010 lediglich 791 mit Akne inversa / Hidradenitis suppurativa (Diagnoseschlüsse. L73.2) diagnostiziert. Das entspricht einer Prävalenz von nur 0,03 Prozent (korrigiert nach Alter und Geschlecht 0,04 Prozent).

Von den 9 Millionen Versicherten der BARMER waren 3.275 Personen mit mit Akne inversa / Hidradenitis suppurativa (Diagnoseschlüsse. L73.2) diagnostiziert. Das entspricht weitgehend der Prävalenz, die aus den Daten der DAK errechnet wurde.

 

Hohe Bedeutung von Fehldiagnosen

Die Kollegen vermuten, dass aufgrund von Fehldiagnosen die Prävalenz und Häufigkeit von Akne inversa / Hidradenitis suppurativa deutlich unterschätzt wurde. Sie gehen 2010 von 27,5 Prozent und 2014 von 34,7 Prozent Fehldiagnosen aus.

Die Bedeutung von Fehldiagnosen in Anbetracht der analysierten Daten bestätigen meines Erachtens auch verschiedene europäische Studien. Diese zeigen nämlich eine Prävalenz zwischen 1 Prozent und 4 Prozent: So ergaben eine Studie von 2017 im UK eine Prävalenz von 1,19 Prozent (sowie 3,61 Prozent bei Rauchern und 3,29 Prozent bei Übergewichtigen), eine Studie aus Frankreich von 2008 eine Prävalenz von 1 Prozent und eine dänische Studie einer medizinisch begutachteten Stichprobe im Jahr 1996 eine Prävalenz von 1 Prozent in der Bevölkerung und 4 Prozent bei jungen erwachsenen Frauen.

 

Eigene Erfahrung bestätigt die hohe Bedeutung von Fehldiagnosen bzw. Unterdiagnosen

Die Bedeutung der Fehl- bzw. Unterdiagnostik kann ich aus unseren Erfahrungen mit weit über 1.200 Akne inversa-/ Hidradenitis suppurativa-Patienten, die zu einem deutlichen Anteil erst im Rahmen unserer Akne inversa Spezialsprechstunde erstmals korrekt diagnostiziert wurden, nur bestätigen.

 

Quellen:
Kirsten N. et al.: Epidemiology of hidradenitis suppurativa in Germany – an observational cohort study based on a multisource approach. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2020 Jan;34(1):174-179. doi: 10.1111/jdv.15940. Epub 2019 Oct 8.

Ingram JR, Jenskins-JonesS, KnipeDW et al. Br J Dermatol. 2017 Nov 1.

Revuz JE, Canoui-PoitrineF, Wolkenstein P et al.. J Am AcadDermatol2008; 59: 596–601.

Jemec GB, Heidenheim M, Nielsen NH. J Am AcadDermatol1996; 35: 191–194.

 

Was bedeutet Prävalenz?

Die Prävalenz ist in der Epidemiologie eine Kennzahl für die Krankheitshäufigkeit. Sie sagt aus, welcher Anteil der Menschen einer bestimmten Gruppe definierter Größe zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer bestimmten Krankheit erkrankt ist (oder einen Risikofaktor aufweist).

 

Weitere Infos zum Thema Acne inversa/ Hidradenitis suppurative finden Sie hier: