Hautarzt Dr. Kirschner Mainz

Gefahren durch Selbst-Enthaarung mit IPL

Die Ärztezeitung warnt vor den Risiken von Selbst-Enthaarung mit IPL

Selbst-Enthaarung mit IPL liegt im Trend. Entsprechend sind im Beauty-Markt inzwischen vermehrt Blitzlampen mit Intense-Pulsed-Light (IPL)-Technologie zur Selbst-Enthaarung erhältlich. Die Ärztezeitung hat eine eindringliche Warnung vor unsachgemäßer Handhabung veröffentlicht. Kritisiert werden darin vor allem fehlende Warnhinweise sowie die fehlende fachärztliche Kontrolle.

Zentrales Problem bei solchen Heimgeräten ist, dass jede Kontrolle fehlt. Gerade eine korrekte Dosierung erweist sich in diesem Zusammenhang als schwierig. Es besteht sowohl das Risiko einer zu Unterdosierung als auch einer Überdosierung. Darüber hinaus fehlt die ärztliche Diagnostik, so dass ggf. krankhafte Ursachen der (übermäßigen) Behaarung übersehen werden oder Hautstellen bzw. Hautveränderungen bestrahlt werden, deren intensive Bestrahlung ein hohes gesundheitliches Risiko darstellt.

 

Risiko Unterdosierung: Ergrauen statt Entfernen

Ist die Licht-Dosierung im Rahmen der Selbst-Enthaarung zu schwach, zerstört man lediglich das Melanin in den Haaren nicht jedoch das Haarfollikel. Die unangenehme Wirkung einer solchen Unterdosierung: statt eines dicken dunklen Haars hat man nun dickes graues Haar.

 

Risiko Überdosierung: Verbrennungen, Lichtschäden und Hautkrebsrisiko

Bei einer Überdosierung im Rahmen der Selbst-Enthaarung mit IPL kann es zu Verbrennungen kommen, denn Internes-Pulsed-Light (IPL) ist in seiner Intensität und Gefährlichkeit vergleichbar mit Laserlicht. Während jedoch für Laserlicht sehr strenge Sicherheitsauflagen gelten, fehlen diese strengen Sicherheitsauflagen für die IPL-Technologie.

Probleme kann es unter Umständen auch dann geben, wenn neben den Haaren Hautpigmente mit behandelt werden, zum Beispiel Pigmentflecke oder Muttermale. Ein Dermatologe berichtet in dem Artikel der Ärztezeitung von einem Fall, in dem eine Frau mehrfach im Kosmetikstudio zur Enthaarung am Unterschenkel mit IPL behandelt wurde. Der Dermatologe fand anschließend an dieser Stelle bei der Hautkrebsvorsorge ein malignes Melanom.

 

Risiko fehlende fachärztliche Diagnostik und Kontrolle

Vor einer Enthaarung mit IPL oder einem Einsatz von IPL zu anderen Zwecken ist es wichtig, sicherzustellen, dass kein Hautkrebs vorliegt und dass nicht zu viele Muttermale vorhanden sind. Nur ein gut ausgebildeter Facharzt kann beurteilen, ob ein Entartungsrisiko bei einem Hautmal besteht, ob bereits eine gefährliche Veränderung vorliegt und ob daher eine Bestrahlung ggf. ein zu hohes gesundheitliches Risiko darstellt.

Wichtig ist eine fachärztliche Diagnostik und Kontrolle auch, um zu beurteilen, ob die störende Behaarung ggf. krankheitsbedingt sein könnte. Ursachen einer übermäßigen Behaarung können endokrinologische Erkrankungen, wie eine Nebennierenrindenerkrankung, hormonelle Störungen oder ein polyzystisches ovarielles Syndrom (PCOS) sein. Unter dem PCOS leiden immerhin 2 von 100 Frauen.

Durch eine Selbst-Enthaarung mit IPL-Heimgeräten oder im Kosmetikstudio fallen diese wichtigen Diagnosekriterien weg.

Quelle: ÄrzteZeitung, 07.01.2016

 

Info: Freiverkäuflich statt streng reguliert

IPL-Geräte werden von Dermatologen für ähnliche Zwecke wie Laser eingesetzt. Im Gegensatz zu Lasern emittieren sie nicht Licht einer definierten Wellenlänge, sondern ein breites Lichtspektrum. Erst durch Vorsatzlinsen wird aus diesem breiten Lichtspektrum dann die gewünschte Lichtwellenlänge ausgefiltert.

Im Vergleich zu Lasern hat die IPL-Technologie Vor- und Nachteile, so dass ein Arzt sich bewusst für die eine oder andere Technologie entscheidet. Der grösste Nachteil von IPL-Blitzlampen ist die fehlende gesetzliche Regelung über ihre Nutzung.

Die Nutzung von Lasern ist an zahlreiche und umfangreiche Auflagen geknüpft. So muss der Anwender einen Laserschutzkurs nachweisen, die Geräte müssen u.a. den Anforderungen der Medizingeräteverordnung (MedGV) entsprechen und es muss beispielsweise auch eine regelmäßige sachkundige Wartung nachwiesen werden. Ärzte müssen ergänzend zur langen ärztlichen Ausbildung zum Facharzt für Hautkrankheiten zusätzlich Laser- und Laserschutzkurse besucht haben, sowie circa 200 Laserbehandlungen unter fachkundiger Anleitung durchgeführt haben, bevor sie selbstverantwortlich lasern dürfen.

Solch eine strenge Regulierung für IPL-Blitzlampen gibt es nicht. Sie können auch an Laien verkauft werden, obwohl ihre Anwendung gefährlicher und aufgrund des breiten Lichtspektrums bzw. der verschiedenen Filter schwieriger als die Anwendung von Lasern sein kann. Die Risiken einer Blitzlampenbehandlung sind daher oft sogar höher als die Risiken einer Laserbehandlung.

 

Meine Empfehlung

Ich rate vom Kauf und der Nutzung von IPL-Heimgeräten grundsätzlich ab. Falls Sie sich trotz der genannten Risiken in einem Kosmetikstudio mit IPL behandeln lassen möchten, stellen Sie unbedingt sicher, dass das behandelnde Personal tatsächlich ausreichend qualifiziert ist. Seien Sie diesbezüglich ruhig kritisch, denn es geht um Ihre Gesundheit. Lassen Sie sich keinesfalls auf eine gezielte Bestrahlung von Muttermalen und Pigmentflecken ein, die teilweise sogar aktiv von Kosmetikstudios als Behandlungsangebot beworben wird.

Außerdem empfehle ich grundsätzlich vor jeder IPL-Behandlung eine dermatologische Kontrolluntersuchung. Eine sichere IPL-Behandlung erfolgt unter fachärztlicher Aufsicht.

Auch meine Praxis verfügt über ein IPL-Gerät. Mit diesem IPL-System behandele ich neben unerwünschte Behaarung v.a. Rosacea (flächige Rötungen). Für die die Beseitigung unerwünschter Äderchen (wie bspw. Besenreiser und Teleangiektasien), für die in manchen Fällen IPL genutzt wird, bevorzuge ich den Diodenlaser, der für diese Indikation noch wesentlich besser geeignet ist.

Mehr zu den Laser- und Lichtbehandlungen in meiner Praxis.