Hautarzt Dr. Kirschner Mainz

Sonnenallergie – polymorphe Lichtdermatose

 

Alle Jahre wieder: Das Phänomen „Sonnenallergie“ hat aktuell wieder Konjunktur

Die Sonne brennt vom Himmel – jetzt ist wieder die Zeit sogenannter „Sonnenallergien“.
Daher erfahren Sie in diesem Blockbeitrag das wichtigste zum Thema „Sonnenallergie“.

 

Was ist eine „Sonnenallergie“?

„Sonnenallergie“ oder „Lichtallergie“ sind keine medizinischen Begriffe, sondern umgangssprachliche Beschreibungen einer Reihe unterschiedlicher Erkrankungen. Bei deren Entstehung spielt Sonnenlicht, insbesondere das UV-Licht, eine entscheidende Rolle.

Von den verschiedenen als „Sonnenallergie“ bezeichneten Erkrankungen tritt die polymorphe Lichtdermatose (auch Sonnenekzem) am häufigsten auf. Das Wichtigste zu dieser Erkrankungen erläutere ich im Folgenden.

Infos zu den anderen Erkrankungen als „Sonnenallergie“ bezeichneten Erkrankungen finden Sie hier.

 

Auftreten der „Sonnenallergie“ (Polymorphe Lichtdermatose)

Die Polymorphe Lichtdermatose („Sonnenallergie“) kommt vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen vor, kann jedoch in jedem Alter auftreten. Ca. 18% der europäischen Bevölkerung leidet zumindest einmal in ihrem Leben unter einer polymorphen Lichtdermatose. Frauen leiden häufiger an einer Polymorphen Lichtdermatose als Männer (Schätzungen schwanken zwischen Verhältnis 5:2 und Verhältnis 9:1).

Die Polymorphe Lichtdermatose tritt vor allem bei Patienten mit dem UV-Licht sensitiveren Hauttypen I und II („keltisch“ und „nordisch“) auf. Eine Polymorphe Lichtdermatose kann immer wieder Beschwerden verursachen – über Jahre hinweg.

 

Wie macht sich eine „Sonnenallergie“ (Polymorphe Lichtdermatose) bemerkbar?

Die Erkrankung tritt meist nach nach längerer „Sonnenabstinenz“ (sprich Winter) nach der ersten Sonnenbestrahlung im Frühjahr oder Frühsommer auf: Beispielsweise nach einem ausgedehnten Spaziergang am Rhein oder zu Beginn des Sommerurlaubs in den Bergen oder am Strand.

Betroffen sind immer jene Stellen der Haut, die der Sonne ausgesetzt waren, wie beispielsweise Hals und Dekolleté, (Ober-)Arme, Handrücken, Beine und das seitliche Gesicht. Nach wenigen Stunden oder in seltenen Fällen auch nach wenigen Tagen bilden sich fleckige Rötungen, die stark jucken.

Daraus bilden sich Hautveränderungen, wie
• Bläschen,
• Knötchen,
• Quaddeln,
• nässende Hautdefekte oder
• Hautverdickungen.

Die Hautveränderugen können sich von Patient zu Patient stark unterscheiden, so dass die Polymorphe Lichtdermatose bei Patient A ganz anders aussieht als bei Patient B.

Bei einem einzelnen Patienten tritt in der Regel aber nur eine der genannten Hautveränderungen auf.

 

„Gewöhnungseffekt“ ist häufig bei „Sonnenallergie“

Die meisten Patienten haben im Verlauf des Sommers immer weniger Beschwerden. In der Regel kommt es nämlich zu einer Art Gewöhnungseffekt: Die Haut verstärkt ihre natürlichen Schutzmechanismen gegenüber dem Sonnenlicht, wenn man sich häufiger im Sonnenlicht aufhält.

Das „bräunende“ Hautpigment Melanin, das einen Teil der UV-Strahlen ausfiltert, wird produziert und eine Lichtschwiele entsteht durch die Verdickung der Hornhaut. Diese Reaktionen, die insgesamt vor Licht schützen, scheinen dazu beizutragen, dass die polymorphen Lichtdermatose seltener auftritt, sobald sich die Haut an die Sonne „gewöhnt“ hat.

Im darauffolgenden Frühjahr – nach erneuter längerer Sonnenabstinenz – können die Hauterscheinungen dann aber wieder zurückkehren.

 

Diagnose der „Sonnenallergie“

Der Arzt erkennt die „Sonnenallergie“ (polymorphe Lichtdermatose) in der Regel an den typischen Hauterscheinungen und am Krankheitsverlauf. Lichttests können die Diagnose absichern. Auschließen sollte man, dass Lichtreaktionen durch Medikamente (phototoxische und photoallergische Lichtdermatosen) oder eine sogenannte Mallorca-Akne vorliegen.

 

Therapie der „Sonnenallergie“

Zur Behandlung einer polymorphen Lichtdermatose werden in der Regel lokal anzuwendende Steroide verordnet. Antihistaminika, die einige Patienten von ihrer Allergietherapie kennen, wirken bei einer polymorphen Lichtdermatose nicht. Sie unterdrücken lediglich den Juckreiz.

 

Selbstbehandlung der „Sonnenallergie“

Zur Selbstbehandlung einer polymorphen Lichtdermatose („Sonnenallergie“) kann Hydrocortison eingesetzt werden. Zur Unterdrückung des Juckreizes eignen sich Antihistaminika. Verschiedene Hautpflegemittel (Hydrolotionen, Schaumsprays) zur Linderung der Beschwerden sind verfügbar. Ein einfaches Hausmittel sind feuchte Handtücher, die auf die juckenden Stellen aufgelegt werden. Ein altes Hausmittel ist auch die Einnahme von hohen Dosen Kalzium. Wissenschaftlich erweisen ist eine Wirkung dieses Hausmittels jedoch nicht.

 

Prävention der „Sonnenallergie“ ist besonders wichtig

Wichtig für Patienten mit einer „Sonnenallergie“ ist vor allem ein guter Sonnenschutz, zum Beispiel durch Kleidung und ausreichend starken Lichtschutzmittel, am besten Sun blocker mit mindestens LSF 50.

Betroffene sollten unbedingt darauf achten, ihre Haut nicht zu abrupt intensiver Sonne auszusetzen. D.h. angeraten ist ein Aufenthalt im Schatten und eine langsame, kontinuierliche Sonnengewöhnung. Bei schweren Verläufen, die eher selten vorkommen kommt eine vorbeugende Behandlung (Phototherapie, Photochemotherapie) infrage.

 

Infos zu anderen Erkrankungen, die unter dem Begriff „Sonnenallergie“ zusammengefasst werden finden Sie hier.

Mehr Infos zum Thema Sonnenschutz finden Sie hier und hier.

Mehr Infos zur Selbsteinschätzung des Hauttyps finden Sie hier.

Wie Sie Ihre Kinder richtig vor der Sonne schützen finden Sie hier.