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Mit Tripper (Gonorrhoe) unbedingt zum Arzt!

 

Zunehmend schwer behandelbare Geschlechtskrankheiten

In der letzten Zeit steigt – auch in meiner Praxis – die Anzahl der Patienten mit schwer behandelbaren sexuell übertragbaren Erkrankungen, denn die Resistenzen gegen Antibiotika nehmen rapide zu. Allein in der letzten Woche habe ich bei 5 Patienten Gonorrhoe (Tripper) diagnostiziert. Ebenfalls letzte Woche hat die WHO Alarm geschlagen, dass aufgrund weltweit zunehmender Resistenzen bald keine Medikamente gegen Tripper mehr wirken werden.

 

Gonorrhoe (Tripper) – die unterschätzte Geschlechtskrankheit

Gonorrhoe, auch Tripper genannt, ist eine der weltweit am häufigsten vorkommenden sexuell übertragbaren Erkrankungen. Männer und Frauen sind gleichermaßen von dieser extrem ansteckenden Erkrankung betroffen – vor allem im jüngeren Erwachsenenalter von 15 bis ca. 30 Jahre. Schätzungen der WHO zufolge erkranken jedes Jahr weltweit 78 Millionen Menschen an Gonorrhoe/ Tripper. Da die Erkrankung in Deutschland seit 2001 keiner Meldepflicht mehr unterliegt, gibt es keine verlässlichen Zahlen zur aktuellen Häufigkeit von Gonorrhoe/ Tripper in Deutschland. Experten warnen jedoch schon seit Jahren, dass Geschlechtskrankheiten insgesamt zunehmen.

Erreger der Gonorrhoe sind die Neisseria gonorrhoeae Bakterien (Gonokokken). Die Gonokokken besiedeln v.a. die Schleimhäute in den Harn- und Geschlechtsorganen. Die Infektion erfolgt beim direkten Kontakt mit den von Gonokokken befallenen Schleimhäuten: in der Regel durch ungeschützten Geschlechtsverkehr sowie durch bestimmte Sexualpraktiken wie Analverkehr oder Oralverkehr. Häufig wechselnde Sexualpartnern sowie ungeschützter Sex erhöht die Wahrscheinlichkeit, sich mit Gonorrhoe/ Tripper zu infizieren. Kondome können eine Ansteckung mit Gonorrhö verhindern, bieten aber keinen vollständigen Schutz.

Aber auch bei der Geburt kann es durch den direkten Schleimhautkontakt beim Neugeborenen zu einer Infektion kommen. Meistens kommt es dann zu einer schweren Bindehautentzündung bei dem Neugeborenen, die unbehandelt sogar zur Erblindung führen kann.

 

Tripper-Symptome

Die Symptome treten meistens zwei bis drei Tage (manchmal jedoch auch bis zu 10 Tage) nach der Infektion auf:

  • Symptome bei Frauen sind Schmerzen beim Wasserlassen und einem charakteristischen milchig-eitrigen Ausfluss aus der Scheide.
  • Bei Männern kommt es zu einem eitrigen, gelblich-milchigen, manchmal übelriechenden Ausfluss aus der Harnröhre vor dem Wasserlassen am Morgen. Man spricht dabei vom sogenannten „Bonjour-Tropfch“. Hinzu kommen oft brennende Schmerzen beim Wasserlassen sowie manchmal eine Rötung und Schwellung der Harnröhrenöffnung.

In ca. jedem zehnten Fall bleiben diese Symptome jedoch zunächst aus, so dass Infizierte ihre Sexualpartner unwissentlich anstecken und sich keiner Behandlung unterziehen.

 

Unbehandelter Tripper kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen

Wenn Tripper länger unbehandelt bleibt, kann es zu chronischen Krankheitsverläufen und schweren Komplikationen kommen.

Bei Frauen kommt es bei unbehandeltem Tripper häufig zu schweren Komplikationen:

  • Gebärmutterhalsentzündung: Starke Unterbauchschmerzen und Fieber treten auf, es kommt zu Entzündungen von Eileitern und Eierstöcken. Ggf. verklebt der Eileiter, was zur Unfruchtbarkeit führen kann.
  • Bauchfellentzündung: Starke Bauchschmerzen, leichtes Fieber, gestörte Magen- und Darmtätigkeit mit Übelkeit und Erbrechen oder Verstopfung, ggf. auch einem Darmverschluss weisen auf eine Bauchfellentzündung hin. Eine Bauchfellentzündung ist eine gefährliche, unbehandelt lebensbedrohliche Erkrankung, die in der Regel eine intensivmedizinische Behandlung (Operation, Antibiotika, Infusionen) erfordert.
  • Ausbreitung der Gonokokken auf dem Blutweg im ganzen Körper: es treten ggf. schmerzhafte Gelenk- und Sehnenscheidenentzündungen, wiederkehrende Fieberschübe, Schüttelfrost und Hautveränderungen auf.

Bei Männern kommt es bei unbehandeltem Tripper ebenfalls häufig zu schweren Komplikationen:

  • Prostataentzündung: Druckgefühl im Dammbereich nahe des Afters, Schmerzen im Unterbauch und am unteren Rücken. Oft Probleme beim Wasserlassen (häufiger Harndrang während nur kleine Mengen uriniert werden können). Ggf. auch Erektionsschwierigkeiten und Schmerzen beim Samenerguss sowie leichtes Fieber.
  • Blasenentzündung: Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Schmerzen im Unterleib. Ggf. getrübter Urin mit verändertem Geruch, evtl auch Blut im Urin.
  • Hodenentzündung: Erkennbar an Unterbauchschmerzen sowie Schmerzen und Schwellungen der Hoden. In der Folge können die Nebenhodenkanälchen verkleben, was zur  Unfruchtbarkeit führt.
  • Ausbreitung der Gonokokken auf dem Blutweg im ganzen Körper: es treten ggf. schmerzhafte Gelenk- und Sehnenscheidenentzündungen, wiederkehrende Fieberschübe, Schüttelfrost und Hautveränderungen auf.

 

Bei Verdacht auf Tripper (Gonorrhoe) unbedingt zum Arzt

Bei Verdacht auf Tripper, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Am besten einen Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten oder einen Urologen/Gynäkologen. Der Arzt beurteilt, ob die Symptome auf einen Tripper hinweisen. Ggf. erfolgt dann die eindeutige Diagnose über den Nachweis der Gonokokken. Dazu wird ein Abstrich von den betroffenen Körperstellen vorgenommen: beim Mann meistens von der Harnröhre, bei der Frau meistens vom Gebärmutterhals. Ggf. erfolgen aber auch Abstriche vom Rachen, After oder der Augenbindehaut. Die Bakterien sind mikroskopisch über eine Anfärbung  ggf. auch über die Anzüchtung einer Bakterienkultur nachweisbar.

 

Behandlung von Tripper (Gonorrhoe)

Wird bei Tripper frühzeitig eine Therapie durchgeführt, heilt die Erkrankung üblicherweise folgenlos aus. Die Behandlung erfolgt über eine Kombinationstherapie mit Antibiotika. In der Regel werden die Antibiotika über eine Injektion oder Infusion verabreicht. Bei Komplikationen (bspw. Prostata- oder Gebärmutterentzündung) erhält der Patient die Antibiotika über mehrere Tage per Infusion in die Vene.

Etwa zwei Wochen nach Ende der Antibiotika-Therapie ist eine ärztliche Nachkontrolle notwendig. Dabei wird überprüft, ob die Behandlung angeschlagen hat. Bis dahin, sollte der Erkrankte auf Geschlechtsverkehr verzichten.

 

Gegen Gonorrhoe (Tripper) wirken bald keine Medikamente mehr

Aktuell warnt die WHO, dass gegen Gonorrhoe (Tripper) bald keine Medikamente mehr wirken könnten. Die WHO hat Daten aus 77 Staaten analysiert. In zwei Drittel dieser Ländern wurden Erreger gefunden, die auch gegen die Antibiotika der letzten Wahl resistent sind. Diese Antibiotika sind in vielen Ländern die einzigen überhaupt noch verfügbaren Antibiotika. Gegen andere Antibiotika sind Resistenzen sogar noch weiter verbreitet. In nahezu allen Ländern, die in der Studie untersucht wurden, sind die resistenten Bakterien bereits aufgetreten.

 

Sexualpartner müssen ebenfalls untersucht und ggf. behandelt werden

Der/ die Sexualpartner des/ der Infizierten sollte/n sich ebenfalls untersuchen und wenn nötig mitbehandeln lassen, auch wenn keine Symptome bestehen, da die Symptome erst nach einer gewissen Zeit auftreten und ca. 10% der Erkrankten gar keine Symptome zeigen.

Wird der/ die Sexualpartner nicht untersucht und ggf. behandelt kommt es ggf. zu einer erneuten gegenseitigen Ansteckung (Ping-Pong-Effekt). Wenn der Zeitpunkt der Infektion nicht genau bestimmt werden, müssen alle Partner, die in den zurückliegenden Monaten Geschlechtsverkehr mit dem Erkrankten hatten, informiert werden.

 

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